Diese Schlussfolgerung ist nachvollziehbar, aber in den meisten Fällen technisch falsch.
Gerade bei Shops auf Basis von JTL-Shop zeigt sich immer wieder: Die Ursache liegt nicht im Template, sondern in massivem, externem Bot-Traffic, der den Shop unter Last setzt.
Was steckt hinter diesen Zugriffen?
Ein moderner Onlineshop ist öffentlich erreichbar, bietet strukturierte Inhalte und zahlreiche Endpunkte – genau das macht ihn attraktiv für automatisierte Systeme. Bots rufen Seiten nicht aus Kaufinteresse auf, sondern um Daten zu sammeln, Preise zu vergleichen, Inhalte zu analysieren oder Sicherheitslücken zu scannen.
Dabei ist wichtig zu verstehen:
Nicht jeder Bot ist per se schädlich. Suchmaschinen-Crawler gehören zum normalen Betrieb. Das Problem entsteht dort, wo Menge, Frequenz und Ziel der Zugriffe aus dem Ruder laufen. Viele Bots erzeugen tausende Requests pro Stunde, ohne irgendeinen Mehrwert für den Shop zu liefern.
Besonders betroffen sind Suchseiten, Filterkombinationen, Paginationen und AJAX-Endpunkte. Diese sind technisch aufwendig, werden aber von Bots bevorzugt, weil sie strukturierte Daten liefern.
Warum betrifft das aktuell so viele JTL-Shops?
Das Phänomen ist nicht shop- oder template-spezifisch, sondern marktweit zu beobachten. Seit dem starken Anstieg von AI-Crawling, Preisüberwachung und automatisiertem Content-Scraping hat sich die Bot-Aktivität deutlich verschärft.
Hinzu kommt: Moderne Bots verhalten sich längst nicht mehr "plump". Sie nutzen echte Browser-User-Agents, akzeptieren Cookies, führen JavaScript aus und simulieren menschliches Verhalten. Klassische Blockaden greifen hier nicht mehr zuverlässig.
Wenn ein Shop dann ohnehin gut indexiert, schnell erreichbar und sauber strukturiert ist, wird er eher Ziel solcher Zugriffe - ironischerweise oft gerade dann, wenn technisch vieles richtig gemacht wurde.
Warum das Problem nicht am Template liegt
Ein Template im JTL-Shop ist für Darstellung und Nutzerführung zuständig. Es entscheidet, wie Inhalte ausgegeben werden – nicht, wer sie aufruft.
Ein Template:
- erzeugt keine externen Requests
- triggert keine Bots
- verursacht keinen Traffic von selbst
Bots kommen immer von außen. Sie treffen auf den Shop, unabhängig davon, ob ein Standard-Template oder ein individuelles Design eingesetzt wird.
Was allerdings passieren kann:
Ein modernes Template ist oft performanter, nutzt saubere Strukturen und lädt Inhalte effizienter. Dadurch wird sichtbar, wo die eigentlichen Schwachstellen liegen – etwa im Hosting, in der Infrastruktur oder im fehlenden Bot-Schutz. Das Template ist dann nicht die Ursache, sondern der Auslöser für eine ehrliche Diagnose.
Welche Probleme entstehen durch ungefilterten Bot-Traffic?
Wenn Bots ungebremst auf den Shop zugreifen, leidet zuerst die Technik – und danach der Umsatz. Serverressourcen werden blockiert, Antwortzeiten steigen, echte Nutzer warten oder brechen ab. Gleichzeitig werden Tracking- und Analytics-Daten massiv verfälscht, was zu falschen Entscheidungen im Marketing führt.
Das perfide daran:
Der Shop "lebt" scheinbar - viele Zugriffe, viel Aktivität - aber es kommt kein Umsatz dabei heraus. Im Gegenteil: echte Kunden werden ausgebremst.
Analyse statt Aktionismus
Der größte Fehler in dieser Situation ist hektisches Eingreifen ohne Datenbasis. Pauschales IP-Blocking oder blindes Geo-Blocking kann legitime Besucher ausschließen und neue Probleme schaffen.
Was stattdessen nötig ist, ist eine saubere, technische Analyse. Nur wenn klar ist, woher die Zugriffe kommen, wie sie sich verhalten und welche Endpunkte betroffen sind, lassen sich sinnvolle Maßnahmen ableiten. Erst diese Analyse ermöglicht gezieltes Blockieren, Drosseln oder Umleiten von Traffic.
Ohne Analyse ist jede Maßnahme ein Ratespiel.
Mögliche Lösungsansätze im JTL-Shop-Umfeld
Die Lösung liegt fast nie in einer einzelnen Maßnahme, sondern in einer Kombination aus Infrastruktur, Shop-Konfiguration und Monitoring. In vielen Fällen reicht es bereits, auffällige Zugriffsmuster gezielt zu begrenzen und kritische Endpunkte abzusichern.
Wichtig ist dabei:
Das Problem verschwindet nicht dauerhaft von selbst. Bot-Traffic ist kein einmaliges Ereignis, sondern ein dauerhaftes Thema, das aktiv gemanagt werden muss.
Häufige Fehlannahme: "Das Template kleistert den Cache zu"
In diesem Zusammenhang taucht immer wieder ein Argument auf, das auf den ersten Blick plausibel klingt, technisch aber in die falsche Richtung führt. Sinngemäß heißt es dann, dass mehr PHP-Speicher das Problem nur verschiebe und es zielführender wäre, wenn das Template den Cache nicht „zukleistern“ würde.
Der erste Teil dieser Aussage ist korrekt:
Mehr PHP-Speicher löst das Grundproblem nicht dauerhaft. Er verschiebt lediglich die Grenze, ab der Speicher- oder Timeouts erreicht werden. Das gilt allerdings für jeden JTL-Shop, unabhängig vom eingesetzten Template.
Der zweite Teil – die Schuldzuweisung an das Template – ist jedoch fachlich nicht haltbar.
Ein Template im JTL-Shop hat keinerlei Einfluss darauf, wie viele unterschiedliche Cache-Einträge entstehen. Cache-Objekte werden nicht vom Template erzeugt, sondern durch unterschiedliche Requests, die den Shop erreichen. Jeder neue URL-Zustand – etwa durch wechselnde Suchbegriffe, Filterparameter, Paginierungen oder Sortierungen – erzeugt einen eigenen Cache-Eintrag.
Genau hier liegt der Kern des Problems:
Bots erzeugen in sehr kurzer Zeit extrem viele unterschiedliche URL-Varianten. Diese Requests treffen den Shop, bevor das Template überhaupt greift. Das Template rendert lediglich das Ergebnis dessen, was angefragt wurde - es entscheidet nicht, was angefragt wird.
- Massive Bot-Zugriffe erzeugen extrem viele unterschiedliche Cache-Zustände
- PHP muss diese verarbeiten → Speicher wächst
- Irgendwann greifen memory_limit oder max_execution_time
- Symptome: Timeouts, langsamer Shop, Abbrüche
Wenn also der Cache "vollläuft", dann nicht, weil das Template ineffizient arbeitet, sondern weil der Shop mit einer massiven Anzahl unterschiedlicher, externer Anfragen konfrontiert ist. Das ist ein Traffic- und Infrastrukturthema, kein Frontend- oder Template-Problem.
Auch das Argument mit Timeouts greift hier zu kurz. Wenn hunderttausende Requests verarbeitet werden müssen, läuft jede PHP-Anwendung - egal wie gut geschrieben – irgendwann in Speicher- oder Laufzeitgrenzen. Das ist kein Designfehler des Templates, sondern eine logische Folge ungebremster Last.
Die entscheidende Erkenntnis lautet daher:
Der Cache ist nicht die Ursache, sondern das Symptom. Das Template ist nicht der Verursacher, sondern macht sichtbar, dass der Shop unter einer Last steht, für die er ursprünglich nicht ausgelegt war.
Wer an dieser Stelle versucht, das Problem durch Cache-Anpassungen oder Template-Diskussionen zu lösen, bekämpft Symptome. Nachhaltig lösbar ist die Situation nur, wenn die Ursache der Zugriffe analysiert und gezielt begrenzt wird.
Was wirklich zielführend ist:
- Analyse der Request-Quellen
- Identifikation von Bot-Mustern
- Begrenzung aggressiver Endpunkte (Suche, Filter)
- Rate Limiting / WAF / vorgelagerte Schutzmechanismen
- Caching dort stabilisieren, wo echte Nutzer betroffen sind
Fazit
Explodierende Zugriffszahlen sind kein Indikator für ein schlechtes Template. In der Praxis sind sie fast immer ein Zeichen für externe, automatisierte Zugriffe, die nichts mit Design oder Frontend zu tun haben.
Wer die Ursache im Template sucht, bekämpft Symptome – nicht das Problem.
Die richtige Herangehensweise ist:
- Ursachenanalyse statt Vermutungen
- technische Maßnahmen statt Schuldzuweisungen
- klare Trennung zwischen Template, Shop-Logik und Infrastruktur
Erst wenn klar ist, woher der Traffic kommt, lässt er sich kontrollieren. Alles andere ist Zeitverschwendung.